Trauer um Professor Dr. Gottfried Willems

Am 11. Dezember 2020 ist Gottfried Willems im Alter von 73 Jahren gestorben.

Meldung vom: 18. Dezember 2020, 10:15 Uhr

Gottfried Willems wurde 1947 in Sankt Goar am Rhein geboren. Er studierte Geschichte, Germanistik und Philosophie in Mainz, wurde dort 1978 mit einer Arbeit über Das Konzept der literarischen Gattung promoviert und habilitierte sich 1986 mit der Studie Anschaulichkeit. Untersuchungen zur Grundlegung einer Theorie und Geschichte des Darstellungsstils in der Literatur. Nach einer Professur in Mainz folgte er 1992 einem Ruf an die Friedrich-Schiller-Universität Jena, wo er bis 2012 den Lehrstuhl für Neuere und Neueste Literatur innehatte.

In Forschung und Lehre deckte Gottfried Willems die Literaturgeschichte von der Aufklärung bis zur Gegenwart ab und befasste sich intensiv mit literaturtheoretischen Fragen. Sein besonderes Interesse galt der Herausbildung der Ästhetik der Moderne im 18. Jahrhundert und am Ende des 19. Jahrhunderts. Als leidenschaftlicher Hochschullehrer hat Gottfried Willems mehrere Generationen von Studierenden geprägt. In seinen Vorlesungen versuchte er mit dem Wissen zugleich die Methodik des Forschens zu vermitteln und zum selbständigen wissenschaftlichen Umgang mit Texten anzuleiten.

Über zwanzig Jahre hat Gottfried Willems der Universität Jena in verschiedenen administrativen Funktionen gedient – als langjähriger Vorsitzender des Konzils, Mitglied im Haushaltsausschuss, zweimaliger Dekan der Philosophischen Fakultät sowie als Direktor des Instituts für Germanistische Literaturwissenschaft. In diesen Funktionen hat er einen wichtigen Beitrag zur Neustrukturierung des Instituts und der Fakultät im Nachwendejahrzehnt geleistet. Zusammen mit anderen setzte er sich für den Bau des Bibliotheksgebäudes am Fürstengraben und die Gewinnung des Frommannschen Anwesens als Heimat des Germanistischen Instituts ein. Die Schriftenreihe „Jenaer germanistische Forschungen“ wurde von ihm mitbegründet. Vor allem aber führte er das Institut durch die grundlegende Umgestaltung aller Studiengänge im Zuge der Bologna-Reformen nach 2000. Das Institut verdankt ihm die bis heute bestehende Struktur seiner Studiengänge, einschließlich der Konzeption des Masterstudiengangs ‚Literatur – Kunst – Kultur‘.

Nach seiner Emeritierung hat Gottfried Willems die Ergebnisse seiner langjährigen Vorlesungstätigkeit in seiner fünfbändigen Geschichte der deutschen Literatur zusammengeführt. Zuletzt schrieb er an einer methodologischen Einführung in die Literaturwissenschaft. Die Entwicklung der Universität und des Instituts hat er weiterhin interessiert, aber aus der Ferne verfolgt. Vielen blieb er ein wichtiger Ratgeber und Gesprächspartner.

Am 11. Dezember 2020 ist Gottfried Willems im Alter von 73 Jahren gestorben.

Das Institut behält ihn in dankbarer Erinnerung.

Eine eingehende Würdigung, verfasst von Alexander Löck und Gregor Streim im
Namen des Instituts, finden Sie hier [pdf, 57 kb]

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