Projektbild

Neues Drittmittelprojekt

"Die 'Sammlung Kratschmer/Würtz' und die Jugendlyrik der DDR"​​
Projektbild
Foto: Gregor Streim
  • Forschungsprojekt

Meldung vom: 16. Februar 2021, 20:18 Uhr

Im Februar 2021 startet das Drittmittelprojekt "Die 'Sammlung Kratschmer/Würtz' und die Jugendlyrik der DDR", gefördert durch die DFG.
Leiter des Projektes ist Prof. Dr. Gregor Streim, Rebecca Franke unterstützt das Projekt als Wissenschaftliche Mitarbeiterin.

In der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB), Jena, befindet sich unter dem Titel „Sammlung Kratschmer/Würtz. Jugendlyrik der DDR“ ein Archiv, das ca. 100.000 (zumeist unveröffentlichte) Gedichte von ca. 15.000 Jugendlichen sowie weitere Dokumente wie Aufrufe, Briefe und Gutachten enthält. Diese Sammlung, die bis heute nie wissenschaftlich erschlossen wurde, ist eine einzigartige Quelle für die Erforschung der Jugendlyrik in der DDR als einem Massenphänomen im Spannungsfeld von staatlicher Lenkung und Emanzipationsstreben. Angelegt wurde sie von dem Lehrer und Publizisten Edwin Kratschmer, der von 1964 bis zum Ende der DDR Gedichte von Schülerinnen und Schülern für die Anthologie-Reihe „Offene Fenster“ sammelte. Er arbeitete dabei mit Hannes Würtz zusammen, der in der FDJ-Zeitung „Junge Welt“ eine eigene Jugendlyrik-Rubrik als Redakteur betreute. Diese Initiativen standen im Zusammenhang mit der von der FDJ gelenkten ‚Poetenbewegung‘, in deren Rahmen vom Ende der 1960er Jahre an landesweit Schreibzirkel, Literaturwettbewerbe und Poetenseminare eingerichtet wurden, an denen sich eine große Zahl Heranwachsender beteiligte. Dieses Phänomen ist ein Desiderat sowohl der germanistischen als auch der sozialgeschichtlichen Forschung. Ziel des Projekts ist es, auf Grundlage der „Sammlung Kratschmer/Würtz“ exemplarisch sowohl den institutionellen Rahmen als auch die literarische Praxis von Jugendlyrik in der DDR zu erforschen. Dies geschieht unter der Leitfrage nach dem Verhältnis von institutioneller Kontrolle und Eigeninitiative. In der ersten Phase werden Geschichte und Aufbau der Sammlung erschlossen. Die Gedichte und ihre Verfasser sollen durch Auswertung des Sammlungsverzeichnisses quantitativ erfasst werden, ebenso die Verteilung der Einsendungen auf einzelne Jahre. Anhand der Wettbewerbsaufrufe lässt sich nachvollziehen, mit welcher Reichweite und Adressierung Beiträge eingeworben wurden. In der zweiten und dritten Phase erfolgt die fallstudienartige Auswertung des Quellenkorpus, und zwar jeweils eingegrenzt auf die historischen Abschnitte 1972/73 und 1984/85. Dabei werden zwei Erkenntnisinteressen verfolgt. In der zweiten Projektphase wird am Beispiel Kratschmers und Würtz’ untersucht, welchen Handlungsspielraum einzelne Akteure innerhalb des politisch kontrollierten Rahmens der FDJ-Talentförderung hatten bzw. sich verschaffen konnten. Dazu sollen Briefe, Gedicht-Gutachten und Vorworte, aber auch ihre Auswahlpraxis bei Publikationen ausgewertet werden. In der dritten Projektphase wird gefragt, aus welcher Motivation sich die Jugendlichen an den Lyrikwettbewerben beteiligten, welche Bedeutung die Poetenbewegung für sie hatte und welche Ziele sie selbst mit dem Schreiben verfolgten. Hierzu werden ihre Briefe ausgewertet, v.a. aber die Gedichte selbst in Hinblick auf Sprache, Themen und Sprecherrollen analysiert. Die Ergebnisse der Arbeit werden in einer monographischen Studie publiziert.

Diese Seite teilen
Die Uni Jena in den sozialen Medien:
Ausgezeichnet studieren:
  • Logo der Initiative "Total E-Quality"
  • Logo des Best Practice-Club "Familie in der Hochschule"
  • Logo des Projekts "Partnerhochschule des Spitzensports"
  • Qualitätssiegel der Stiftung Akkreditierungsrat - System akkreditiert
Zurück zum Seitenanfang