Exkursion Tübingen

Exkursion nach Tübingen

Exkursion im Rahmen des Seminars "Balladen und philosophische Gedichte um 1800 (Goethe, Schiller, Hölderlin u.a.)"
Exkursion Tübingen
Foto: Erika Sottile

Meldung vom: 29. Juli 2021, 18:04 Uhr

Nach langen Monaten des Ausharrens hinter virtuellen Institutsmauern durften wir endlich wieder heimatliche Wohnungen und WGs verlassen, um die befreiende Wirkung und den grenzenlosen Spaß einer mehrtägigen Exkursion, die durch die großzügige Unterstützung der Philosophischen Fakultät ermöglicht wurde, zu erleben. Vom 17.06.-20.06.2021 waren wir mit dem Seminar Balladen und Philosophische Gedichte um 1800 (Goethe, Schiller, Hölderlin und andere) unter der Leitung von Prof. Dr. Dirk von Petersdorff in Tübingen und Marbach auf den Spuren der Dichtkunst unterwegs.

            Nach einem Sprung von Thüringen nach Tübingen begann unser Aufenthalt mit einer Führung durch die schöne Universitätsstadt am Necker [Aussprache: nəɡɐ], geleitet von Herrn Stefan Knödler aus der ortsansässigen Germanistik. Ein erster Bezugspunkt zum Seminarthema war das Evangelische Stift Tübingen, in dem der junge Hölderlin seinerzeit einige Studienjahre verbrachte und mit philosophischen Kreisen (Hegel, Schelling…) in Berührung kam.

            Der Freitag war eine wahre Wonne für jede literaturbegeisterte Seele. Bei Kerzenlicht und Eiseskäl-… äh, Neonlicht und Klimaanlage (von ca. 32 Grad Außentemperatur herunter auf ca. 18 Grad Innentemperatur) durften wir einen Blick auf Autografen und kleine Notizen, deren Konservierung eine solch niedrige Temperatur verlangt, werfen, begleitet von Jan Bürgers (Leiter des Siegfried-Unseld-Archivs) Enthusiasmus für die Sache. Im Anschluss besichtigten wir das Literaturmuseum der Moderne, welches uns vor allem durch ein museumspädagogisches Konzept der Interaktion begeisterte. Leider war einzig der Ausstellungsraum, in dem sich die handgeschriebene erste Seite von Kafkas Der Proceß befindet, temporär geschlossen. Die überaus große Enttäuschung hierüber wurde aber glücklicherweise dank des anschließenden Besuches in Schillers Geburtshaus besänftigt, wo der große Dichter seine ersten kleinen Schritte im dort ausgestellten Strampelanzug tätigte.

            Durch schwäbische Küche gestärkt, erklommen wir am Samstagvormittag die Stufen des berühmt-berüchtigten Hölderlin-Turms, welcher allerdings entgegen der semantisch begründeten Erwartungen nur zwei Stockwerke umfasst. Hier verbrachten wir zwar nicht gleich 36 Jahre wie der Dichter selbst, aber doch zwei spannende Stunden, in denen wir neben einer Einführung auch selbst auf Spurensuche gehen konnten. Nach getaner geistiger Arbeit ging’s dann an die körperliche Ertüchtigung. Zunächst besichtigten wir das Schloss Lichtenstein (nein, wir befanden uns immer noch innerhalb der Landesgrenzen!) auf ungefähr 800 Höhenmetern. Von einer Hauff’schen Burgenromantik erfasst[1], traten wir eine Wanderung von 10km um das Schloss herum an. Entgegen der landläufigen Vorstellung war die Temperatur beim abendlichen Restaurantbesuch doch um einige Grade höher als bei der Wanderung, dennoch umwehte uns ein erfrischender, kulinarischer ‚scirocco‘.

            Auf der Rückreise führte uns ein Abstecher zu den frühen Wurzeln des jungen Hermann Hesse, der eine kurze, unliebsame Zeit in der Klosterschule Maulbronn verbrachte. Auch heute noch ist in dem UNESCO-Weltkulturerbe eine Internatsschule untergebracht, welche vor allem Theologie, Musik und Alte Sprachen fördert. Einen besonders guten Eindruck vom historischen Wandel der Gesamtanlage hinterließen die Mühen der Gästeführerin, die Informationen vom Schwäbischen ins Hochdeutsche zu übersetzen.[2]

            Mit vielen interessanten und einflussreichen Schrifsteller:innen also, denen wir an einigen ihrer Wirkstätten eigens nachspüren konnten, waren wir über die Tage hinweg in Berührung gekommen. Wir waren begeistert von dieser nach langer Corona-Pause ersten, überaus gelungenen Exkursion, die wir gern jederzeit wieder antreten!

                                                           Louisa Kunze & Alexander Pappe 

[1] Eine Beschreibung der Burg findet sich in Wilhelm Hauffs Lichtenstein (1826 erschienen).

[2] Siehe hierzu den Werbeslogan Baden-Württembergs: „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ https://www.bw-jetzt.de. Letztes Abrufdatum 28.06.2021.

Foto: Erika Sottile Foto: Erika Sottile Foto: Erika Sottile
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